• Malin

Erwachsenwerden

Aktualisiert: 16. Dez 2020


Esse eine Milchschnitte. Schmeckt erstaunlich gut, wo ich doch knappe 14 Jahre meines Lebens noch dachte die wären giftig und man fiele auf der Stelle tot um, wenn man sie äße. Danke Mama für diese Vorenthaltung von geschmacklichen Hochgenüssen, wenigstens Nuggets von McDonalds wurden mir nicht vorenthalten, so wie irgendwie alles spaßige aus dem Kühlregal oder Supermarktausgang, Super RTL und Spongebob Schwammkopf. Betrachte die Milchschnitte etwas näher, sieht doch irgendwie nicht so ganz gesund aus, warum sieht das aus wie Plastik?? Lieber gar nicht weiter drüber nachdenken und ein kleines Happy Hippo nachschieben.


Zwei Happy Hippos und den Verlust meiner Appetitzügelung später fühle ich mich dreckig und benutzt und möchte keinem glücklichen Nilpferd mehr in die Augenschauen. Paradox, dass etwas, was man sich so erstrebenswert und genießbar vorgestellt hat doch enttäuschend und leichte Übelkeit auslösend sein kann. An dieser Stelle gelungene Überleitung zum Erwachsen-werden. Der Frage nachzugehen, wie sich erwachsen werden anfühlt ist vermutlich recht einfach auf die kurze romantische Beziehung zwischen mir und dieser Milchschnitte bildlich zurückzuführen. Erst kann man es kaum abwarten alt genug zu sein, um sie zu kaufen, im Hinterkopf die leise warnende Stimme von jemandem, der schon alles besser weiß als ich, dann der aufgeregte Gang in den Supermarkt, die beschämenden Blicke an der Supermarktkasse über die eigene mangelnde Ernährung ignorierend, fast nach Hause sprintend, die Jacke in die Ecke schleudernd, weil man es kaum erwarten kann die erste einzelnd in Folie eingewickelte Köstlichkeit zu schmecken, an bisschen angetaut und labbrig, nicht ganz so wie in der Werbung vorgestellt beißt man hinein und stellt erschrocken fest: geil. Der nächste Biss folgt sogleich, ganz berauscht von dieser neuen Freiheit, alles scheint so leicht, so sonderbar! So isst du langsam bis die GEZ dich findet und du zahlen müsst für ZDF Fernsehgärten und Talkshows mit leicht rechts angehauchten Stars und Sternchen. Dann kaut man langsamer, ein bisschen Brei im Mund, schmeckt das nicht irgendwie…nach nichts? Tränen schießen in die Augen, leichte Überreaktion auf einen tiefgekühlten Snack. Traurig sinkt die Hand dann nieder, die Hälfte noch am tauen- ist das denn schon alles gewesen?

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